Sonntag, August 26, 2012

dOCUMENTA (13) - Ein Rundgang durch die Karlsaue

Im ersten Teil des dOCUMENTA-Rundgangs habe ich versucht, die für mich wichtigsten Stationen im Schnelldurchgang und logistisch optimiert durchzugehen. Wohl dem, der Muße hat. Der soll sich natürlich mehr Zeit nehmen. Die Gebäude haben wir hinter uns gelassen, hoffen wir jetzt auf gutes Wetter. Auch wenn natürlich die meisten Dinge draußen sind, ist auch fast alles wettergeschützt in Pavillons untergebracht.

Kommen wir zum Teil 2 des dOCUMENTA Rundgangs, für den ich unbedingt ein Fahrrad empfehle, oder man ist ein wirklich guter Geher - aber lieber gemütlich Fahrrad fahren als hektisch laufen. Das Fahrrad fahren ist zwar in der Karlsaue offiziell verboten, aber keiner schert sich drum.


Mein Rundgang hat verschiedene Varianten. Entweder Sie beginnen an der Kunsthochschschule. Dort kommen Sie her, wenn Sie aus der Südstadt Kassels (Frankfurter Straße) und somit auch vom Weinberg kommen. Die Orientierung hier ist grob gesagt gegen den Uhrzeigersinn. Sehen Sie sich 76 - die aussterbenden Tierarten aus Abfällen gemacht an, das ist für mich auf dieser Seite eine der stärksten Arbeiten. Die Lichtinstallation (45) habe ich nicht verstanden, oder sie war kaputt. Dann würde ich die Mangoldfähre (123) überqueren, mir die Vietnam-Kriegerzeichnungen ansehen (98), rechts abbiegen zur Betonröhre (99), gleich wieder umdrehen. Frau Trockel (176) hat meiner Meinung nach nicht ihre Bestform hingelegt, also ruhig gleich weiter vor dem Ententeich rechts zur wärmstens von mir ans Herz gelegte Soundinstallation (37), in die Mitte der Lautsprecher gehen, Augen schließen, eine halbe Stunde Zeit zuhören.

Dann zurück auf den Weg zur Henkersplattform (53), weiter um den Teich herum zum Bienenkopf (83), wieder zurück zum Wohnwagen mit Booten im Baum (127), dann weiter Richtung Fulda zum Hippiegarten (120). Das Haus mit Kegeln (138) konnte ich mir nicht erschließen, den Hundeplatz (88)- naja, finde ich schön, wenn man Zeit und einen Hund hat, aber wenn nicht, dann nicht. Auch das Entenhaus mit dem Videoarchiv (187) lohnt nur einen Umweg, wennn man viel Zeit hat, denn nur ein Blick hinein bringt nicht viel.

Auch am Hippiegarten (120) braucht man Zeit, zumal man nicht fotografieren darf, lassen Sie sich durch die Pfade treiben, es ist ein schöner Ort voller Achtsamkeit, Poesie und Fantasie. Wer keine Hippies mag, geht einfach nicht rein. In Richtung Wassergraben (also nach rechts auf dem Plan betrachtet) lohnt sich ein kleiner Abstecher zum Glashaus (54) der documenta 12. Einerseits erinnert es an deren unsägliche Architektur und Präsentation in der Aue erinnert aber gefüllt ist das Glashaus hier wohltuend zurückhaltend. Die Gastronomie kann man im Auge behalten für spätere Verwendung, dort taucht auch nochmals die Protestlieder-Jukebox auf, die wir aus der Neuen Galerie kennen. Würstchen (nicht essbar) und allerlei anderes in Ton - oft fotografiert und in der Presse erwähnt und daher sehr gut besucht - ist die Nr. 107.

Ich würde dann per Brücke den Graben überqueren, von hier aus sieht man die Uhr (155) auch sehr gut. Wenn Sie schon ziemlich angespannt sind, gehen Sie direkt zum Sanatorium (147) oder lassen Sie sich vorher vom Geist (155) erschrecken. Im Sanatorium können Sie einen halbstündigen Termin für eine der dort angebotenen Therapien buchen, ich habe das Philosophische Casino mitgemacht und die Mudras. Es kommt auf die Gruppe an und den Therapeuten. Die Mudra-Schwestern waren an dem Tag etwas demotiviert, die Dame im Philosophischen Casino hat ihre Sache gut gemacht, die "Patienten"-Gruppe aber noch besser. Die Paartherapie lassen Sie lieber bleiben, sonst wird Ihnen der Rest des dOCUMENTA-Besuchs womöglich vergällt, und wenn bei Ihnen ohnehin alles super läuft, ist es auch sinnlos. Leider kenne ich die anderen Angebote nicht, sollen aber noch besser sein, weil sie umso ausgebuchter sind.

Und schon wieder geht's zurück zur Hauptachse, dort besuchen Sie ganz bestimmt das bunte Haus der Time/Bank (174). Queren Sie dann unbedingt zu 152, das ist dieser luftige Pavillon mit Vorhängen, in dem das "Threeing" angeboten wird von 14-17 Uhr (so war es jedenfalls als ich da war). Es macht großen Spaß und dauert nur wenige Minuten. Eines der zahllosen einfachen und doch praktischen "Geschenke", die man von dieser dOCUMENTA (13) mitnehmen kann. Auf dem weiteren Weg, gilt es zu entscheiden: Video gucken oder nicht? Wenn die Zeit reicht, würde ich mich für das knapp halbstündige skurille Video (60) über ein Elternpaar und deren vermeintlicher Afghanistan-Soldatensohn entscheiden.

157 mit den farbenfrohen Fahnen ist nett, würde aber freilich besser wirken, könnte man die Performance dazu sehen. Gleiches gilt für den Sound in Nr. 16, der auch nerven kann, wenn man eher auf Harmonie steht. Die Porno-Scherenschnitte in (6) sind auch sicher nicht jedermanns Sache, ich fand sie originell. 

Nun kann man in die Orangerie gehen (das wäre der Einstieg in die Tour, wenn man vom Friedrichsplatz, documenta-Halle bzw. Innenstadt herunterkommt), aber wie schon im ersten Teil des Rundgangs erwähnt, ist es schwierig die Kunst dort zwischen dem ganzen Technikkram, den das Museum auch sonst beherbergt, zu finden. Es sind meiner Meinung nach auch nicht die stärksten Arbeiten dort. Sehr schnell, da raumfüllend findet man das dreigeteilte Video (168) von dem Finnen über das Atomkraftwerk, das seine Landsleute in einer Kleinstadt bauen. Seufz, noch ein Video und so wenig Zeit.

Nun würde ich weiter an der Welle (22) vorbei zum Hügel (165) spazieren bzw. Fahrrad schieben, nach den Koniferen (101) Ausschau halten, mir vielleicht beim And And And Kiosk (12) ein lecker belegtes Brot oder eine Quiche holen und ein bisschen Pause machen. Weiter geht's über eine kleine Brücke abseits der Karlsaue zum Saharazelt (90), dann natürlich zum Bronzestein im Baum (133). Schauen Sie jetzt am Hang auf dieses monumentale Kriegerdenkmal, aber gehen Sie nicht da hinauf, sondern links davon (154). Lassen Sie sich überraschen, das hier sollten Sie auf jeden Fall machen, und wenn nicht aufwärts, dann abwärts, falls Sie gerade in der Neuen Galerie waren und hier der Einstieg für Ihren Rundgang in der Aue ist. Ansonsten ist das schon Ihr Ausstieg. Reicht ja auch, oder? 

Abschließend sei gesagt, dass ich für die Richtigkeit der Angaben (Nummern der Pavillons) und diese Beschreibungen keinerlei Gewähr oder Haftung übernehme, auch wenn es mir schwer fällt den Fall zu konstruieren, mit dem man mich verklagen könnte. Egal. Viel Vergnügen auf der dOCUMENTA (13).