Samstag, Juni 16, 2012

Schland, oh Schland 


Beobachtungen während der EM: Autokorso nach gewonnenem Gruppenspiel gegen Portugal. Naja, etwas übertrieben. "Deuschland" oder "Schland" skandierende Menschen mit umgehänger Schwarz-Rot-Gold-Fahne. Nicht meins, aber auch nicht schlimm. 

Autonome, die versuchen möglichst viele Deutschland-Fahnen (wg. Nationalismus) von Autos und Häusern zu klauen. Kindisch, intolerant, übertrieben. Liebe Autonome, klaut ihr auch italienische, griechische, spanische, italienische Flaggen? Das müssten dann doch auch Nationalisten sein. Sind - nach dieser Logik - Nationalisten aus dem Ausland besser als deutsche Nationalisten? Bitte mal nachdenken. 

Warum ich keine Angst vor Deutschlandflaggen habe: Ich bin im toleranten Köln, das ist natürlich ein Vorteil. Und am S-Bahnhof skandierten oben genannte Fahnenträger gerade noch Schland, da kam ein älteres gehbehindertes Pärchen und bat um Hilfe. Genau diese Gruppe stellte unverzüglich ihre Schland-Rufe ein und half zuvorkommend, wie man es selten erlebt. Schön, oder?

Sozialkapitalismus


Im Sozialismus herrschte Mangel. Die Staaten waren trotzdem überschuldet. Im Kapitalismus herrscht Überfluss. Nicht nur die Staaten sind überschuldet, sondern auch Privatpersonen, Banken, Unternehmen.

Insofern ist es eine Frage der Zeit, bis auch der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, zusammenbricht wie ein Kartenhaus. Jetzt könnten wir noch freiwillig reformieren. Hätten wir schon vor 20 Jahren machen können. Die Grundlage gab es: Der Rio-Gipfel 1992. 2008/09 in der Finanzkrise wurde eine weitere Chance vertan.

Aber Ideen und Bewegungen wie Grundeinkommen für alle, Regionalgeld, Postwachstumsökonomie, Tauschwirtschaft und vieles andere mehr brauchen ihre Zeit, um in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Solange sie dort nicht sind, sind sie für Politiker ein blinder Fleck. Solange diese Ideen von den größten Unternehmen der Welt ökonomisch nicht nutzbar sind, fehlt die "Marktdurchdringung". Und die Forscher forschen mit staatlicher Unterstützung weiter, was schon längst klar ist: Unseren westlichen Lebensstil können wir nicht aufrecht erhalten, weil dafür die Rohstoffe und das Geld nicht ausreicht. Wir leben auf Kosten der kommenden Generationen.

Eine Wertereform im Sinne des Rio-Gipfels (Agenda 21, nachhaltige Entwicklung) wird sich weiter durchsetzen. Welche Werte jetzt schon im kleineren Maßstab in der Praxis funktionieren, erleben wir täglich, ohne es zu wissen. Ein neues Buch des kleinen aber feinen oekom-Verlages zeigt Beispiele. Es heißt Gemeinsam sind wir reich: Wie Gemeinschaften ohne Geld Werte schaffen.