Sonntag, Januar 25, 2004

Eine Bahnreise durch das Sauerland

Wickede: Eine Fliesen- Platten, Holzpavillon- und Dachziegel-Musterausstellung. Ein Gewerbepark mit Flächen zu vermieten. Weiße Laternen in gepflegten Gärten, ein Bungalow aus den 70ern mit Doppelgarage, etwas anderes als Warsteiner trinken wäre hier ungewöhnlich. Ein Wohnmobil auf dem zusätzlich angelegten Stellplatz im Vorgarten. Die Kinder sind groß, das Haus zu groß, es gibt nichts mehr zu arbeiten, also auf in die weite Welt.

Ein Angelteich, eine Kläranlage, ein Fahrradweg. Ein Sonnenstudio, ein Nagelstudio, ein Spielsalon, ein Schnäppchenmarkt in oder zwischen den leerstehenden Ex-Schuh-, -Lebensmittel-, -Radio- und -Kleiderfachgeschäften auf dem Dorf.

Neheim-Hüsten hat noch das Glück, einen Industriebetrieb zu beherbergen. Da sind auch die Mercedes-Benz Niederlassung nicht weit, der Möbelmarkt, der Aldi in Gehentfernung zur neuen Eigenheimsiedlung, aus der alle dennoch mit dem Auto hinfahren. Bemooste Kirchendächer beherbergen innenseitig Mobilfunkantennen, denn die Kollekte reicht nicht mehr. Bröckenlnde Fassaden aus den 1960er Jahren sind mit den obligatorischen Satellitenschüsseln bestückt, wenn sie nicht mehr auf den Balkon passen. Stapel mit hunderten von Holzpaletten - jede für sich 6 Euro Pfand wert - verwittern an einer Industriehalle, in der sich nichts mehr tut. Container mit fein säuberlich getrenntem Müll auf dem städtischen Bauhof. Zu groß geratene Fabrikantenvillen aus den 80er Jahren mit wuchtigen Schornsteinen, an deren Sockel alternde Fabrikanten am offenen Kamin darüber sinnieren, was falsch gelaufen ist, dass ihre Söhne und Töchter die Fabrik nicht übernehmen können (der Weltmarkt) oder wollen.

Der Kaufpark in Oeventrop, bayerische barocke Balkonbrüstungen in Freienhohl, verkratzte Fahrkartenautomaten, ein Grafitto "Farbe deckt nicht", der Baumarkt und das Umspannwerk neben dem verlassenen Bauernhof, der "Entsorgungspark" in Wennemeen (privat betrieben und nicht so ordentlich wie der städtische in Neheim-Hüsten). Vermooste Betonröhren in Wald und Wiese an einem Hang mit ungestürzten Bäumen. Cleanpark und Gartencenter. Meschede.